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    Psychologie, Selbstvertrauen

    Emotionale Abhängigkeit – erkennen und lösen

    Machen wir uns nicht alle bis zu einem gewissen Grad emotional abhängig, wenn wir uns auf eine Beziehung einlassen? Muss man nicht in jeder Beziehung dem Partner zuliebe auch Kompromisse eingehen? Solche oder ähnliche Fragen bekomme ich in meiner Praxis häufiger gestellt. Und ja, Kompromisse gehören sicherlich zu einer Beziehung dazu, und niemand ist froh und jubelt, wenn er oder sie plötzlich vom dem*der Partner*in verlassen wird. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen sich einem anderen Menschen emotional zu öffnen und sich von dem*der Partner*in abhängig zu machen.

    Emotionale Abhängigkeit bedeutet, sich unfrei oder nicht in der Lage zu fühlen, ohne den*die Partner*in zu sein oder zu entscheiden. Das eigene Wohl oder Glück scheint abhängig von der anderen Person und ihrer Zustimmung zu sein. Beispielsweise richten wir unser Handeln immer wieder nach dem*der Partner*in aus und ordnen unsere Bedürfnisse unter, weil wir übergroße Angst davor haben, verlassen zu werden. Emotionale Abhängigkeit geht dabei weit über eine allgemeine Trennungs- und Verlustangst hinaus. Sie ist übrigens nicht nur auf Paarbeziehungen beschränkt, sondern kann ebenso in Eltern-Kind-Beziehungen oder Freundschaften vorkommen.

    Woran erkenne ich, dass ich mich emotional abhängig mache?

    Nicht immer ist uns bewusst, dass wir uns emotional abhängig machen, zum Teil weil es vielleicht unseren typischen Mustern entspricht oder wir es gewohnt sind, für Harmonie in einer Beziehung zu sorgen. Woran erkennen wir also, dass wir in einer ungesunden Abhängigkeit feststecken? Folgende Symptome können dafür sprechen:

    - Starkes Bedürfnis nach Bestätigung: Du brauchst häufig eine Rückversicherung, dass der*die andere dich liebt und mit dir zusammen sein will, und wirst unsicher, wenn er*sie es dir nicht bestätigt oder sich nicht sofort auf deine Nachrichten bei dir zurückmeldet.

    - Einseitigkeit: In der Beziehung bist du häufig der Part, der die Initiative übernimmt oder sich kümmert. Der andere zieht sich mehr zurück oder verhält sich passiv. Du bemühst dich mehr um die Beziehung. Der*die andere ist weniger emotional verfügbar.

    - Angst vor dem Alleinsein: Ohne den*die Partner*in weißt du wenig mit dir anzufangen, hast das Gefühl innerer Leere oder der Unvollkommenheit ohne eine*n Partner*in. Dadurch klammerst du dich eher an den*die Partnerin. Zeit für dich allein siehst du als weniger wertvoll an.

    - Vernachlässigung eigener Interessen und Freundschaften: Vor eurer Beziehung hattest du lebendige Freundschaften, aber während du in der Beziehung bist, hast du dich mehr und mehr von deinen Freunden zurückgezogen und beschränkst dich nur noch auf diese eine Person.

    - Ständig versuchen, es dem*der anderen recht zu machen: Die Gefühle und Bedürfnisse der anderen Person haben Priorität in eurer Beziehung. Du versuchst es dem*der anderen recht zu machen und überschreitest dabei deine Grenzen (Motive dafür können sein: damit der*die andere bleibt/happy ist/dich liebt).

    - Schuldgefühle: Wenn die andere Person unglücklich oder gekränkt ist, beziehst du es auf dich und hast Schuldgefühle. Du hast den Drang, etwas zu tun, damit der*die andere sich wieder gut fühlt - statt die Situation aus einer gewissen Distanz zu betrachten und die Person ihre eigenen Gefühle erleben zu lassen.

    - Eifersucht und Verlustangst: Du steigerst dich in deine Eifersucht hinein und versuchst, die andere Person zu kontrollieren, und zum Beispiel ständig wissen zu wollen, was die andere Person macht, oder ihr Handy zu überwachen. Du hast übergroße Angst, du könntest den anderen verlieren.

    Was sind mögliche Ursachen von emotionaler Abhängigkeit?

    Die Frage nach den Ursachen von emotionaler Abhängigkeit ist komplex und lässt sich nicht so leicht beantworten. Sie kann sich in der aktuellen Beziehung oder durch Erfahrungen in früheren Partnerschaften entwickelt haben; häufig entsteht dieses Muster jedoch bereits in der Kindheit. Emotionale Verletzungen können in der Kindheit das Gefühl von innerer Abhängigkeit hervorgerufen oder verstärkt haben, zum Beispiel durch die Trennung der Eltern, einen emotional nicht verfügbaren Elternteil oder durch emotionalen Missbrauch.

    Fast immer ist die emotionale Abhängigkeit an ein geringes Selbstbewusstsein oder einen niedrigen Selbstwert gekoppelt, den man unbewusst durch die Beziehung bzw. den*die Partner*in ausgleichen möchte. Überzeugungen können dabei sein: "Ohne eine*n Partner*in bin ich nichts wert.", "Mein Partner*in trennt sich sowieso von mir, weil er jemand anderen interessanter/besser findet als mich.", "Liebt er*sie mich genug?". Durch die Zuneigung des anderen Menschen möchte man sich selbst versichern, dass man liebenswert/genug/attraktiv/interessant oder... ist, oder versucht unbewusst, einen Mangel an Liebe im eigenen Leben auszugleichen.

    Auch Erfahrungen von Einsamkeit oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben können Ursachen für emotionale Abhängigkeit sein. Wir geben dann dem anderen Menschen die Macht darüber, für Glück und Freude in unserem Leben zu sorgen. Eine einzelne Person scheint der Schlüssel für unser Lebensglück zu sein. Erfüllt diese Person unsere Erwartungen nicht oder wendet sich ab, fühlen wir uns (als emotional abhängige Person) womöglich zurückgesetzt und verlieren wir das Vertrauen darin, selbst die Quelle für unsere Zufriedenheit und unser Glück zu sein.

    Wie löse ich mich aus emotionaler Abhängigkeit?

    Sich aus emotionaler Abhängigkeit zu befreien ist sicherlich ein Weg und keine schnelle 180-Grad-Wende. Ein erster Schritt ist, die emotionale Abhängigkeit bei sich selbst zu erkennen und den Wunsch zu haben, etwas daran zu verändern. Weitere kleinere und größere Schritte können dann dazu führen, sich mehr und mehr aus dem Gefühl der inneren Abhängigkeit zu befreien:

    1. Sich selbst reflektieren. Versuche herauszufinden, was hinter deiner emotionalen Abhängigkeit steckt. Ist es das Gefühl, nicht liebenswert zu sein, dir selbst oder anderen etwas beweisen zu müssen, oder das Gefühl, nicht genügend geliebt worden zu sein? Kann dein*e Partner*in dir das geben bzw. erfüllen? Oder ist dieser Anspruch zu hoch? Sei ehrlich mit dir selbst, aber habe auch Mitgefühl mit dir.

    2. Selbstwertgefühl stärken. Ein Schlüssel ist, dein Lebensglück nicht von deinem*er Partner*in abhängig zu machen. Finde heraus, was dein Selbstwertgefühl stärkt, z.B. indem du dich auf deine Stärken und Ressourcen besinnst; dir die Dinge schenkst, nach denen du dich sehnst: Aufmerksamkeit, Fürsorge, Zuneigung und Liebe; und indem du dir bewusst machst, dass du bereits wertvoll bist, so wie du bist, ohne etwas dafür tun zu müssen.

    3. Eigene Bedürfnisse wahrnehmen. Selbstwert und emotionale Freiheit zeigen sich auch darin, dass du deine Bedürfnisse wahrnimmst und für dich priorisierst. Überlege, was dir wichtig ist und was dir guttut. Das können Bedürfnisse innerhalb der Beziehung sein (über ein Thema sprechen, die Aufgaben im Alltag anders aufteilen), insbesondere aber Bedürfnisse, die dich und dein Leben betreffen (mehr Zeit für dich, für mehr Entspannung sorgen, ein Hobby wiederaufnehmen).

    4. Interessen und Beziehungen pflegen. Den Partner in den Mittelpunkt des eigenen Lebens zu stellen, bedeutet auch viel Verantwortung für nur eine Person. Welche Interessen hast du auch unabhängig von deinem Partner? Welche Aktivitäten machen dir Spaß und erfüllen dich? Du lässt deine*n Partner*in nicht im Stich (oder verlierst ihn/sie), wenn du neue Aktivitäten aufnimmst. Pflege auch Freundschaften oder finde neue Freunde, wenn du dich sonst sehr auf deine Partnerschaft konzentriert hast.

    5. Sich selbst Liebe und Fürsorge schenken. Das ist sicher der wesentliche Punkt, wenn du bisher den*die Partner*in als die Person wahrgenommen hast, die dir hauptsächlich Liebe und Zuneigung schenken soll. Lerne, auch Zeit mit dir selbst zu verbringen - dazu musst du möglicherweise aus deiner Komfortzone heraus und die Angst vor dem Alleinsein überwinden. Was wünschst du dir und wie kann es aussehen, es dir selbst zu geben (Aufmerksamkeit, Komplimente, Zeit, spannende Erfahrungen)? Sei liebevoll mit dir und behandle dich wie den wichtigsten Menschen der Welt.

    6. Gedankenmuster hinterfragen. Überprüfe, was du über dich selbst denkst. Sind es liebevolle und wertschätzende Gedanken oder wertest du dich innerlich ab? Glaubst du von dir selbst, dass du ohne Partner*in nicht genügst? Dann ist es an der Zeit, alte Gedankenmuster abzulegen. Vielleicht gelingt es nicht an einem Tag, aber lege den Grundstein dafür, indem du alte Überzeugungen identifizierst und durch positive Selbstgespräche ersetzt und dir selbst sagst, was du an dir schätzt.

    7. Weniger Kompromisse. Wenn du in deiner Partnerschaft bisher viele Kompromisse gemacht hast und dich häufig nach deinem*er Partner*in gerichtet hast, kann es sein, dass du ab jetzt mehr auf deine Bedürfnisse achten solltest und ein besseres Gleichgewicht anstreben solltest. Es geht nicht darum, den Spieß jetzt herumzudrehen, sondern vielmehr, dass du deine Termine und Aufmerksamkeit nicht komplett nach der anderen Person ausrichtest. Was sind deine Wünsche und Bedürfnisse?

    8. Geduldig mit sich selbst sein. Last but not least gilt für alle erwähnten Punkte: Sei geduldig mit dir selbst. Wenn du den*die andere*n häufig wichtiger nimmst als dich selbst, ist das wahrscheinlich schon eine tiefe Gewohnheit. Auch die Angst vor dem Verlust ist vielleicht früh erlernt worden und sitzt tief. Aber auch Gewohnheiten lassen sich ändern und wahrscheinlich gibt es schon Bereiche, in denen du weiter bist und für dich gute Verhaltensweisen entwickelt hast. Du bist deinen Gefühlen (auch dem Gefühl, abhängig zu sein) nicht ausgeliefert - du bist mehr als deine Gefühle.

    Ich wünsche Dir viel Mut und Erfolg dabei, emotionale Verstrickungen zu erkennen und dich daraus zu lösen. Ich bin überzeugt davon, dass Lieben bedeutet, innerlich frei zu sein - und immer wieder zu wachsen und sich zu entfalten.

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    Hochsensibilität, Selbstvertrauen

    Über die Grenzen von Empathie

    Ich hatte schon länger einen weiteren Beitrag zum Thema Hochsensibilität schreiben wollen und habe mich schließlich dazu entschieden, die Eigenschaft der Empathie genauer zu untersuchen - die für viele hochsensible Menschen typisch ist. Gemeint ist damit die Fähigkeit, sich in die Gefühle anderer hineinzuversetzen. Ich würde sogar noch ergänzen, dass es in beide Richtungen verläuft: eine erhöhte Wahrnehmung für sich selbst und für andere. Für viele Hochsensible ist diese Eigenschaft so vertraut, dass sie eher verwundert sind, wenn andere Menschen viel weniger darüber verfügen und oft nicht wahrnehmen können, was in ihrem Gegenüber vorgeht.

    Menschen mit hoher Empathie reagieren nicht nur betroffen, wenn sie hören, dass ihnen nahestehende Menschen etwas Schwieriges erleben, wenn z.B. ein Kind in der Schule gemobbt wird oder ein*e Freund*in eine schlechte Diagnose erhalten hat, sondern sie teilen deren Gefühle wie Angst, Ärger oder Trauer, indem sie sich daran erinnern, wie sie sich gefühlt haben, als sie eine vergleichbare Situation erlebt haben und sich ängstlich, frustriert oder traurig gefühlt haben. Ebenso werden positive Gefühle mitempfunden, wie die Freude über eine bestandene Prüfung, eine neue Liebe oder wenn es einem anderen Menschen gesundheitlich besser geht. Auch dann werden die Freude und Erleichterung intensiv mitempfunden.

    Empathie hat viele wunderbare Vorzüge: ein vertieftes Verständnis für sich und andere; Menschen fühlen sich in Beziehungen besser verstanden, getröstet oder sicher. Empathie ermöglicht es, tiefe gefühlsmäßige Beziehungen einzugehen und fördert die soziale Kompetenz. Konflikte können besser vorhergesehen und Lösungen gefunden werden, die beiden Seiten dienen. Sie fördert hilfsbereites Verhalten einzelner Menschen sowie in gesellschaftlichen Zusammenhängen...

    Ebenso kann Empathie jedoch manchmal Nachteile für uns haben: Insbesondere, wenn wir das Wohl und die Gefühle der anderen Person über unsere eigenen stellen, wenn das Einfühlungsvermögen in Beziehungen zu einseitig gelebt wird oder wir uns gewohnheitsmäßig um die anderen kümmern, während wir uns selbst vernachlässigen. Speziell wenn wir es gewohnt sind, aus unserer Empathie und Hilfsbereitschaft einen Teil unseres Selbstwerts abzuleiten ("wenn ich anderen helfe und ihre Bedürfnisse erfülle, bin ich wertvoll/liebenswert") verwandelt sich unser Einfühlungsvermögen in die Gefühlslagen und Bedürfnisse anderer Menschen in eine Falle.

    Hochsensiblen und empathischen Menschen fällt es oft schwer, Grenzen zu setzen und für ihre eigenen Belange einzustehen. Das kann auch dazu führen, dass sie sich von anderen vereinnahmen oder sogar manipulieren lassen: vom Chef, der kurz vor Feierabend noch unliebsame Aufgaben an sie abgibt, oder von dem*der Partner*in, der*die ihr Einfühlungsvermögen geschickt für eigene Anliegen nutzt.

    Wie können Hochsensible dieser Falle entgehen? Wie können sie empathisch bleiben und dennoch einen guten Abstand zu den Gefühlen und Erwartungen anderer finden?

    Die Grenzen von Empathie anerkennen

    Die eigene Perspektive klären und einnehmen. Wenn empathische Personen merken, dass ihre Bedürfnisse übergangen werden, wenn sie sich wütend oder erschöpft fühlen, weil sie ihre Aufmerksamkeit zu sehr auf andere richten, ist ein guter Schritt, zuerst die eigenen Gedanken und Gefühle zu klären. Wie geht es mir? Welche Bedürfnisse habe ich und welchen Standpunkt nehme ich bei einer aktuellen Situation ein? Möchte ich beispielsweise wie mein*e Partner*in einen aktiven Urlaub oder sehne ich mich nach Ruhe und Erholung? Kann ich mir vorstellen, die berufliche Aufgabe noch zu übernehmen, oder werden damit eigentlich meine Grenzen überschritten? Zu Beginn kann sich ungewohnt anfühlen, die Aufmerksamkeit wieder auf die eigenen Bedürfnisse zu lenken.

    Grenzen setzen und Nein sagen lernen. Wenn du klarer siehst, was du möchtest und was nicht, geht es im nächsten Schritt darum, diese Bedürfnisse an die erste Stelle zu setzen und danach zu handeln. Wenn du gerade erschöpft bist, ein*e Freund*in aber gerade jemanden zum Reden braucht, könnte es zum Beispiel bedeuten, dass ihr das Gespräch auf einen anderen Zeitpunkt verschiebt. Wenn du dich im Beruf verausgabst und dich dadurch in deiner Freizeit regelmäßig ausgelaugt und gereizt fühlst, ist es wahrscheinlich an der Zeit, klarere Grenzen zu ziehen und häufiger Nein zu sagen. Das kann schwer sein, weil du viel Verständnis hast für Freunde, den Chef oder die Kolleg*innen, bedenke aber, dass diejenigen Menschen am meisten mitfühlend sind, die klare Grenzen setzen.

    Verantwortung klären. Manche Menschen mit hohem Einfühlungsvermögen nehmen die Gefühle anderer so stark wahr, als wären es ihre eigenen. Dann verschwimmen die Grenzen und sie übernehmen Verantwortung für andere mit. Hilfreich wäre es, sich die Frage zu stellen, sind es gerade meine Emotionen, die mich so mitnehmen, oder die der anderen Person? Bin ich gerade überwältigt von etwas und spüre einen Handlungsbedarf, das gar nicht zu mir gehört? Wenn ich so etwas Abstand zu den Gefühlen anderer einnehme, klärt sich auch meine Verantwortung. Ich bin zuständig für meine Gefühle, Herausforderungen und Nöte, während die andere Person für sich verantwortlich ist. Womöglich kann ich dem anderen Menschen gar nicht helfen, weil dieser sich nicht helfen lassen will oder es nicht in meiner Macht steht.

    Innere Gebote und Glaubenssätze entkräften. "Ich muss mich um alle kümmern.", "Wenn ich Grenzen setze, bin ich egoistisch.", "Ich sollte die Erwartungen erfüllen." So oder so ähnlich können unbewusste Glaubenssätze lauten, die dazu führen, dass empathische Menschen in ihrer Rolle bleiben, sich um alle und alles zu kümmern. Oft sind solche Überzeugungen schon früh, in unserer Kindheit entstanden und fühlen sich wie Wahrheiten an. Um davon Abstand zu gewinnen und das aufopfernde Verhalten zu beenden, sollten die Glaubenssätze aufgedeckt und hinterfragt werden. Welche neuen Glaubenssätze wären hilfreicher und passender für mich? Z.B. "Ich bin ok, wenn ich Grenzen setze und auch mal keine Zeit habe.", "Ich darf mich um meine Bedürfnisse kümmern.", "Ich respektiere meine Gefühle."

    Unseren Selbstwert stärken. Wenn wir unseren Selbstwert daraus beziehen, was wir leisten und ob wir anderen gegenüber genügend hilfsbereit/loyal/aufmerksam sind, verstärkt es unsere Abhängigkeit von der äußeren Perspektive. Wir werden erst dann mit uns zufrieden sein, wenn wir glauben, dass alle um uns herum es sind. (Und das ist in unserer Wahrnehmung vielleicht nie der Fall.) Der Weg, sich daraus zu befreien, ist, unseren Selbstwert nicht von den Reaktionen anderer Menschen oder dem, was wir für sie tun, abhängig zu machen, sondern zu erkennen, dass wir bereits so wie wir sind liebenswert, wertvoll und ok sind. Dazu ist es meistens notwendig, unsere Ansprüche und Erwartungen an uns selbst zu überprüfen und zu reduzieren.

    Ich hoffe, der Beitrag hat dich inspiriert, und wünsche dir eine gute Balance zwischen Empathie für andere und Selbst-Empathie!

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    Psychologie, Selbstvertrauen

    Was bedeutet eigentlich… der Begriff „Narzissmus“?

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    Psychologie, Ressourcen, Selbstvertrauen

    Den Selbstwert stärken

    Ich zuerst, und dann die anderen

    Die beste Definition zum Selbstwert, die ich kenne, ist: sich selbst wichtiger zu nehmen als die anderen. Mit anderen Worten: die eigenen Ziele, Bedürfnisse, Gefühle, an die erste Stelle zu setzen. Und auch die Verantwortung dafür zu übernehmen. Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl sind durchaus hilfsbereit und respektvoll gegenüber den Bedürfnissen anderer, jedoch vergessen sie darüber sich selbst nicht.

    Im ersten Moment klingt es vielleicht ungewohnt und egoistisch. Die eigenen Interessen über die von anderen stellen? Schaden wir damit nicht vielleicht sogar anderen und verhalten uns genauso, wie wir es bei bestimmten Menschen ablehnen (egoistisch, kalt, hartherzig)? So oder so ähnlich können Befürchtungen lauten. Das Gegenteil ist der Fall. Diejenigen, die sich zuerst um sich und ihre Bedürfnisse kümmern (sich selbst wichtiger nehmen), schaffen dadurch erst die Basis für mehr Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Im besten Fall inspirieren sie andere, ebenfalls Verantwortung für ihre Bedürfnisse zu übernehmen.

    Beruflich könnte ein hoher Selbstwert bedeuten: Ich mache einen Job, der zur mir und meinen Fähigkeiten passt und der mir Freude macht. Es ist mir wichtig, von meinen Kollegen und Vorgesetzten geschätzt zu werden und ich stehe für diese Wertschätzung ein. Aufgaben (eine Tätigkeit), die weit über oder deutlich unter meinen Anforderungen liegen, kann ich jederzeit ablehnen.

    Privat kann es bedeuten: Ich setze mich für meine Bedürfnisse ein, auch wenn mein Partner/meine Partnerin andere hat. Dazu kommuniziere ich meine Bedürfnisse, d.h. ich sage, was ich will und was nicht, und gehe nicht davon aus, dass mein*e Partner*in es schon wissen muss. Ich übernehme die Verantwortung für meine Wünsche und Bedürfnisse und setze mich dafür ein, ohne einen Konflikt zu scheuen.

    Wenn Sie Ihr Selbstwertgefühl stärken und einen gesunden Egoismus entwickeln möchten, stellen Sie sich die folgenden Fragen: Wie sehr trete ich aktuell für meine Bedürfnisse und Ziele ein? Wo stecke ich (noch) zurück? Bei welchen Menschen/in welchen Situationen fällt es mir schwer, mich selbst an die erste Stelle zu setzen? Was könnte passieren, wenn ich mich selbst wichtiger nehme? Will ich, dass es so bleibt, weil es o.k. für mich ist, oder will ich etwas ändern, mehr zu mir stehen?

    Ärger und Wut können in konkreten Situationen Anzeichen dafür sein, dass Ihre Grenzen überschritten werden und Ihr Selbstwertgefühl bedroht ist. Die Wut hat dann die Funktion, uns Energie bereitzustellen, unsere Grenzen (unsere Selbstidentität) zu verteidigen. Sie zeigt uns das Bedürfnis an, uns selbst anzunehmen und ganz „Ja“ zu uns zu sagen.

    Die eigenen Fähigkeiten kennen und dazu stehen

    Zu einem hohen Selbstwertgefühl gehört auch, die eigenen Fähigkeiten und Qualitäten zu kennen und bei Bedarf ins rechte Licht zu rücken. Wer weiß, was er kann, und sogar stolz auf sich ist, fühlt sich als Mensch automatisch wertvoller und vergleicht sich wahrscheinlich auch seltener. Der innere Kritiker, der unser Selbstwertgefühl ebenso torpediert, wird dadurch ebenfalls leiser. Und bei Verhandlungen treten Sie weitaus selbstsicherer auf, wenn Sie Ihre Stärken kennen und bewusst hervorheben.

    Um Ihre Fähigkeiten und Stärken kennenzulernen, fragen Sie sich: Worauf sind Sie in Ihrem Leben bisher richtig stolz? Was können Sie richtig gut? Wo setzen Sie diese Fähigkeiten bislang ein? Wo könnten Ihnen diese Fähigkeiten noch hilfreich sein? Fragen Sie auch Freunde und Kollegen, denen Sie vertrauen, was sie an Ihnen besonders schätzen.

    Können Sie Ihre Fähigkeiten gut benennen und auch annehmen, was Ihre Freunde an Ihnen wertschätzen? Oder fällt es Ihnen eher schwer, zu glauben, was Sie hören? Zum Selbstwert gehört dazu, Ihre Erfolge und Fähigkeiten anzuerkennen, ebenso, wie die Schritte dorthin. Beobachten Sie sich im Alltag und fügen Sie täglich etwas auf Ihrer Liste hinzu, das sie gut können. Wenn Sie möchten, halten Sie diese Eigenschaften in einem Anerkennungs-Tagebuch fest.

    Sich selbst annehmen

    Unser Selbstwertgefühl kann immer wieder herausgefordert werden. Durch äußere Kritik: wenn andere nicht einverstanden damit sind, wie wir uns entwickeln oder sie einfach andere Bedürfnisse und Gefühle haben (das ist ihr gutes Recht!). Oder durch innere Stimmen, die uns zügeln wollen: „Nimm dich nicht so wichtig!“, „Das schaffst Du nie.“ Dann ist es wichtig, anzuerkennen, dass es nicht unsere Aufgabe ist, die Erwartungen von außen (und auch von innen) zu erfüllen – in den meisten Fällen können wir das auch gar nicht.

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    Methoden, Psychologie, Selbstvertrauen

    Jüngere Ichs/Anteile kennenlernen – ein Zugang zu den „inneren Kindern“

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    Körper, Ressourcen, Selbstvertrauen

    Selbstmitgefühl – ein achtsamer Umgang mit den eigenen Gefühlen

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    Gelassenheit, Ressourcen, Selbstvertrauen

    Einmal die Perspektive wechseln – eine Weisheitsgeschichte

    Wenn ich mich in einer herausfordernden Situation befinde, mich darin wie gefangen fühle und erstmal keinen guten Ausgang sehe, hilft mir die folgende Geschichte, die Perspektive – vielleicht nur für einen Moment – zu ändern:

    Ein Bauer hatte ein Pferd, aber eines Tages lief es fort und der Bauer und sein Sohn mussten ihre Felder selbst pflügen. Die Nachbarn sagten: “Was für ein Pech, dass euer Pferd weggelaufen ist!”. Aber der Bauer antwortete: “Wer weiß, wozu es gut ist?”

    Eine Woche später kam das Pferd zum Bauernhof zurück und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit. “So viel Glück!” riefen die Nachbarn, aber der Bauer sagte: “Wer weiß, wozu es gut ist?”

    Kurz danach versuchte der Sohn des Bauern, eines der wilden Pferde zu reiten – aber er wurde abgeworfen und brach sich ein Bein. “Oh, so ein Pech!” Die Nachbarn hatten Mitleid, aber der Bauer sagte wieder: “Wer weiß, wozu es gut ist?”

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    Psychologie, Ressourcen, Selbstvertrauen

    Radikale Selbstverantwortung

    Ich übernehme die Verantwortung:

    …für alle meine Gefühle

    …für meine Verletzungen und Wunden

    …dafür, dass ich andere verletzt habe

    …für meine Bedürfnisse

    …für meine Liebe

    …mein Glück und mein Unglück

    …für meinen Anteil an Beziehungen

    …für meine Grenzen

    …für mein Licht und meine Schatten

    …dafür, dass es mir gut geht

    …für die Zeiten, in denen es mir schlecht geht

    …für meine Arbeit und Lebensaufgaben

    …für meine Pausen

    …für meine Erfolge

    …für meine Fehler und meine Schwächen

    …für mein Wohlbefinden

    …für mein Selbstbewusstsein und die Wertschätzung meiner Person

    …für meine Entscheidungen, für mein Ja und mein Nein

    …für meine Gesundheit und meine Krankheiten

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    Psychologie, Ressourcen, Selbstvertrauen

    Erlernte Hilflosigkeit: Da kann man nichts machen…

    In den 1960er Jahren fanden die amerikanischen Psychologen Martin E. P. Seligman und Steven F. Maier in Versuchen mit Hunden heraus, dass wiederholte Erfahrungen von Hilf- und Machtlosigkeit dazu führen können, dass die Tiere sich standardmäßig passiv und vermeidend verhalten. Die Versuche zeigten, dass die Tiere auch dann weiterhin hilflos und resigniert reagierten, wenn sich die äußere Situation verbesserte. Das Modell der „erlernten Hilflosigkeit“ kann auf Menschen übertragen werden und meint entsprechend die Erwartung eines Individuums, bestimmte Situationen oder Sachverhalte nicht kontrollieren und beeinflussen zu können.

    Mit anderen Worten verfestigt sich unter bestimmten Lebensumständen in uns der Glaube, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen können, eine Situation zu verändern oder zu verbessern. Wir nehmen unbewusst eine passive Haltung ein und reden uns ein: „Ich kann nichts tun.“, „Das war schon immer so.“, „Das habe ich noch nie gekonnt.“, „An mir liegt es nicht – die anderen müssen sich verändern.“,

    „Das Schicksal ist einfach gegen mich.“ Oft ist diese innere Haltung nicht spontan entstanden, sondern wurde schon früh geprägt, z.B. durch unsere Art, wie wir Misserfolge interpretieren oder auch durch ein Umfeld, das unsere scheinbare Hilflosigkeit bestärkte.

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